Son of Sons

Realität Träume und die traurige Wirklichkeit

Archiv für Mai 20th, 2009

“Aktion Gemeinde” und “alte Bekannte”

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Lass mich, lieber Leser, diesen Eintrag mit einer kleinen Geschichte beginnen. Ich fuhr in den letzten Jahren öfter mit meinem Vater in die Stadt. Besonders im Frühjahr und im Sommer, sahen wir im Vorbeifahren Menschen, die sich um die Pflege der städtischen Grünanlagen kümmerten. Sie pflanzten Blumen im Kreisverkehr, harkten Grünflächen im Stadtpark, mähten das Gras, räumten im Herbst die herabgefallenen Blätter weg und schaufelten im Winter den Schnee. Oftmals sagte ich zu meinem Vater, wie Leid mir diese Menschen täten, da es sich dabei um Langzeitarbeitslose handelte. Das wollte er mir nicht glauben, und beharrte darauf, das es sich um Bedienstete der Gemeinden handele.

Tatsächlich handelt es sich bei den Arbeitern um befristete, in gemeinnützigen Beschäftigungsinitiativen geparkte, arbeitslose Menschen. Sie verrichten für den Bezug der Notstandshilfe Gemeindearbeit, wofür die Gemeinden keinen Cent bezahlen müssen! Dem AMS gefällt diese Idee so gut, das sie dies nun als Werkzeug heranziehen, um so genannte arbeitsmarktferne Personen wieder dem Arbeitsmarkt zuzuführen. Dadurch soll die Chance erhöht werden, auf dem ersten Arbeitsmarkt wieder Fuß fassen zu können. Das es nur Propaganda ist, das es nicht klappt, das es eine Ausbeutung von arbeitslosen Menschen ist, brauche ich für dich, lieber Leser, nicht Extra zu erwähnen.

,Aktion Gemeinde‘ bringt Beschäftigung

„1213 langzeitbeschäftigungslose Männer und Frauen arbeiten im Jahr 2009 in steirischen Kommunen in befristeten Jobs. Diese Jobs dauern maximal drei Monate und setzen arbeitsmarktrelevante Impulse für arbeitsmarktferne Personen, indem sie diese in die reale Arbeitssituation hereinholen“ sagt AMS-Geschäftsführer Karl Heinz Snobe. Und weiter: „Dafür gibt’s bei Bedarf auch sozialpädagogische Unterstützung. Die Gemeinden können damit z.B. längst fällige und aufgeschobene Arbeiten erledigen ohne dass ihnen Kosten entstehen. Wichtig ist uns, dass es sich um Arbeitsplätze vor Ort handelt, sodass Pendeln und Nebenkosten für die befristeten DienstnehmerInnen weitestgehend wegfallen.“

Übersetzt heißt dies, das AMS stellt den Gemeinden gratis Arbeitskräfte zur Verfügung, und nennt es ein probates Mittel zur Integration arbeitsmarktferner Menschen. Da das Projekt pro Person nur auf 3 Monate ausgelegt ist, so kann die Zahl der Langzeitarbeitslosen Menschen innerhalb kurzer Zeit dramatisch gesenkt werden. Da die arbeitslosen Menschen in den Heimatgemeinden ihren Dienst verrichten „dürfen”, erspart sich das AMS damit Kosten in Form von Fahrtgeldzuschuß. Der Fahrtgeldzuschuß ist meiner eigenen Erfahrung nach ohnehin so gering bemessen, das es sich nicht einmal lohnt, genau an diesem Punkt zu sparen. Allerdings macht bekanntlich auch Kleinvieh Mist, wie das alte Sprichwort so schön besagt, deshalb ist es auch nicht verwunderlich, dass das AMS sparen will.

Fünf gemeinnützige Beschäftigungsträger sind mit der Umsetzung des Projektes ‚Aktion Gemeinde‘ betraut. Neben ErfA (Erfahrung für Alle) in Graz sind das BIG (Beschäftigungsinitiativen der Gemeinden) in Bruck/Mur und Mürzzuschlag, WBI (Wirtschafts- und Beschäftigungsinitiative) in Leoben, BEST (Beschäftigungsgesellschaft mbH) in Voitsberg sowie GEGKO (Gemeinnützige Beschäftigungsprojekte – Gemeinde- Kooperationen) in allen anderen steirischen Bezirken, die als Dienstgeber fungieren. Die Gemeinden stellen die Arbeitsplätze zur Verfügung. So können etwa die in der Gemeinde anfallenden Arbeitsspitzen abgedeckt (z.B.: Schneeräumung) und Krankenstände ausgeglichen werden.

Hier, lieber Leser, triffst du nun auf einige alte Bekannte, die ich bereits in der Überschrift ankündigte. Du wirst dich warscheinlich an meinen Artikel erinnern, in dem ich über den Menschenrechtspreis Empfänger schrieb, dem Leiter von ERfA, Erfahrung für Alle. Falls nicht, möchte ich dir an dieser Stelle die Lektüre des Artikels empfehlen, damit du weist, worum es sich dabei handelt.  Menschenrechtspreis für Zwangsmaßnahmen Betreiber 

Im weiteren findet sich in der Liste BIG Bruck an der Mur. BIG steht für Beschäftigungs Initiativen der Gemeinden. Dieses Projekt existiert bereits seit mehr als zehn Jahren, und widmet sich der gemeinnützigen Arbeitskräfteüberlassung Langzeitarbeitsloser oder behinderter Menschen. In der Dauer von 1 Jahr, werden arbeitslose Menschen zu Gemeindearbeiten herangezogen, aber auch für kurze Zeit an Firmen vermittelt, bei denen gerade Bedarf an Personal besteht. Unter anderem erfreut sich die Stadtwerke Bruck an der Mur der Dienste von BIG. Aber auch andere namhafte Betriebe machen laufend Gebrauch vom Angebot, billig an Personal zu gelangen, das arbeiten wie zum Beispiel das Auslegen von Matten in Sporthallen, Autos lackieren und viele weitere Tätigkeiten vollführt.

Von GEGKO, diese irisierende Abkürzung steht für Gemeinnütziges Beschäftigungsprojekt Gemeindekooperation, habe ich noch nicht viel gehört. Einige der Tätigkeiten die dieses Projekt anbieten, wird bereits im Artikel erwähnt. Die GEGKO Homepage hingegen, gibt noch wesentlich mehr von sich Preis. Diese Informationen möchte ich dir, lieber Leser, natürlich keinesfalls vorenthalten. Es handelt sich auch hier um ein Projekt welches arbeitslose Menschen, für die Dauer von einem Jahr, für Gemeindetätigkeiten vermittelt. Unter den möglichen Aufgaben, die arbeitslose Menschen in diesem Projekt verrichten müssen finden sich die folgenden.

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    • Grünraumpflege
    • Bau und Wirtschaftshof
    • Büroarbeiten für die Gemeinde
    • Sozialer Hilfsdienst
    • Arbeitsspitzen abdecken
    • Urlaubs- und Krankenstandsvertretung
    • Aktuelle Projekte in der Gemeinde

„Bringen Sie mit GEGKO Ihre Gemeinde auf Hochglanz, verschönern Sie Ihre Ortschaft, reinigen Sie Ihre Wege und Straßen, pflegen Sie Ihre Wanderwege, decken Sie mit GEGKO die Arbeitsspitzen ab, starten Sie Projekte und Events oder planen Sie Urlaubs- und Krankenstandsvertretungen.”

Mit diesem Satz wirbt GEGKO auf seiner Homepage dafür, und preist seine Dienste an, die daraus bestehen, Langzeitarbeislose Menschen zu vermitteln. Wenn du dir, lieber Leser, vor Augen hälst, wofür, vor allem aber zu welchem Preis, arbeitslose Menschen zu arbeiten herangezogen werden, kannst du dir meinen Ärger darüber sicher bildlich Vorstellen…

WBI, oder ausgeschrieben, Verein Wirtschaft – und Beschäftigungsinitiative des Bezirkes Leoben. Sie, wie auch die anderen Projekte, bieten unter anderem Dienste für die 16 Gemeinden im Bezirk Leoben an. Auch hier wird die Zielgruppe der Teilnehmer als arbeitsmarktferne oder Langzeitarbeitslose Menschen genannt. 

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    • Der Verein WBI fungiert im Auftrag von Arbeitsmarktservice Steiermark, Europäischem Sozialfonds, Land Steiermark sowie Bundesministeriums für Wirtschaft und Arbeit als Trägerverein zur Abwicklung arbeitsmarktpolitischer Projekte und Maßnahmen wie gemeinnütziger Beschäftigungsprojekte, Qualifizierungsprojekte, Zentrum für Ausbildungsmanagement für Frauen, Arbeitstiftungen, Beratung bzw. Unterstützung Arbeit suchender Personen …
    • Der Verein WBI definiert sich als regionale Schnittstelle, verknüpft in dieser Funktion Interessen von Mitgliedsgemeinden – AuftraggeberInnen – Unternehmen mit dem Potential der Menschen in der Region und steht damit für einen wirtschaftsbelebenden Einsatz von Ressourcen.
    • Der Verein WBI erkennt Entwicklungen und Trends am Arbeitsmarkt, setzt zeitgemäße Impulse, gestaltet zukunftsorientierte Lösungen und Konzepte für die Region.

Das Projekt ist hauptsächlich für langzeitbeschäftigungslose Frauen ab dem Alter von 19 Jahren und jugendliche ohne Ausbildung gedacht. Da WBI diverse Projekte unter wechselnden Namen anbietet, und das den Rahmen dieses Artikels sprengen würde, verweise ich dich, lieber Leser, auf die Weiterführenden Links. Dort kannst du dich bei Interesse näher über die einzelnen Projekte informieren.  

Über BEST, Beschäftigungs mbH, konnte ich nicht viel mehr in Erfahrung bringen, als das es sich hierbei um ein Projekt für langzeitbeschäftigungslose Menschen handelt. Die Zielgruppe sind 15 bis maximal 26 jährige arbeitslose Menschen, die für verschiende Tätigkeiten herangezogen werden.

Ziel des Projekts ‚Aktion Gemeinde‘ ist die Unterstützung der beruflichen und sozialen  Integration langzeitbeschäftigungsloser Männer und Frauen. ,Case Management‘ unterstützt bei der Beseitigung der der Berufstätigkeit im Wege stehenden Hürden und kann den betroffenen Personen den Weg zum Arbeitsmarkt zu ebnen. Die Projektkosten teilen sich AMS und Land Steiermark im Verhältnis von etwa 3/4 zu 1/4. Mit Ende April waren steiermarkweit 352 Männer und Frauen ins Projekt eingestiegen.

Was ist Case Management, wirst du dich, lieber Leser, an dieser Stelle vermutlich fragen. Hier folgt eine kurze Erläuterung, worum es sich hierbei handelt.

Nach Julius R. Ballew und George Mink ist „Case Management ein Prozeß der Hilfestellung für Menschen, deren Leben unbefriedigt verläuft oder nicht gelingt, weil viele Probleme vorhanden sind, welche die Unterstützung zugleich von mehreren Helfern erforderlich machen.“

Case Management konzentriert sich dabei auf die Organisation und Ausschöpfung vorhandener Ressourcen. Diese bestehen vorerst aus finanziellen Mitteln, Personen sowie Dienstleistungen, welche organisiert und dem Klienten in seiner speziellen Lage zugänglich gemacht werden müssen. Auf der anderen Seite ist das Unterstützungsmanagement darauf gerichtet, den Klienten zu befähigen, die vorhanden Ressourcen zu nutzen. Diese Befähigung umfaßt das Wissen, die persönliche Einstellung und die Fertigkeiten des Klienten.

Case Management ist im Sozial- und Gesundheitsdienst angesiedelt und sorgt für die notwendige Unterstützung im Einzelfall. Dabei geht es immer um langfristige Hilfen und nicht um kurzfristige Eingriffe in akuten Notsituationen. In einem zielgerichteten System der Zusammenarbeit mehrerer Beteiligter, die zu einem Netzwerk verknüpft sind, verwirklicht sich die Methode Case Management.

Ihr Ausgang ist die Einzelfallhilfe (Case Work). Jedoch ist Case Management mehr als nur die Gewährung einzelner Hilfen, wie zum Beispiel materielle Unterstützung oder ein klärendes Gespräch. Bei einem Unterstützungs- management sind, wie schon erwähnt, mehrere Hilfen zu einem professionellen System verknüpft. Quelle:  Die Website für Wissen in Geriatrie, Gerontopsychiatrie und Altenpflege

Wenn dem nur so wäre, und durch solche Projekte tatsächlich Probleme aus dem Weg geräumt würden, wäre das wunderbar. Hier versucht sich jedoch der Verursacher vieler Probleme, das AMS, an der Beseitigung der Probleme, oder Hemnisse, die einem Wiedereinstieg in das Berufsleben im Wege stehen. Langzeitarbeitlosen Menschen ist sicher nicht damit geholfen, wenn sie für Gemeinden, in der Dauer von 3 Monaten, für den Bezug der Notstandshilfe, im besten Fall für ein geringes Gehalt, arbeiten müssen! Es ist ganz einfach Widersinnig, da sich hieraus keine neuen Perspektiven eröffnen, und eher der Zwang im Vordergrund steht, etwas für die rechtmäßig zustehende Leistung tun zu müssen. Würden die Gemeinden eigene Angestellte für diese Arbeiten heranziehen, sähen manche Städte und Plätze nicht so sauber, schön begrünt und aufgeräumt aus.

Die Idee, die da nun Mithilfe der genannten Vereine umgesetzt wird, arbeitslose Menschen für Gemeindearbeiten heranzuziehen, ist nicht neu. Vonseiten der Politik wurde der Plan im vorigen Jahr, von Herrn Kopf (ÖVP), aufgegriffen. Er ist der Meinung, das arbeitslose Menschen für den Bezug des Arbeitslosengeldes auch gemeinnützige Arbeiten vollführen können, wogegen ein Proteststurm losbrach. Es hieß, es könne nicht sein, das arbeitslose Menschen für solche Tätigkeiten herangezogen werden. Das dürfe es doch nicht geben, allerorts war die Entrüstung ob dieses Vorschlags direkt spürbar. Heute, nicht ganz 1 Jahr später, wird diese Idee nun tatsächlich umgesetzt, verkauft als Chance für arbeitslose Menschen. Niemand protestiert dagegen, niemand erfährt es, der nicht selbst arbeitslos ist.

Unter den Augen der Öffentlichkeit, lieber Leser, wird hier, wieder einmal, arbeitslosen Menschen etwas zugemutet, nur um eine Statistik zu schönen. Die Gemeinden sollen die Menschen direkt anstellen, ordentlich bezahlen, und sie nicht von AMS, von Politik nahen Vereinen und Organisationen finanziert, gratis zur Verfügung gestellt bekommen. Das Projekt “Aktion Gemeinde” ist etwas das, auf meiner Skala von Widerwertigkeiten, ganz oben in der Liste steht.

Ich wünsche den arbeitslosen Menschen die, warscheinlich unter Androhung einer Bezugssperre, zu solchen Arbeiten herangezogen werden, alles nur erdenklich gute. Ich hoffe für sie, die es ohnehin am schwersten haben, das sie nicht die Hoffnung verlieren. Denn irgendwann, mag es ewig dauern, kommt auch für Menschen wie Herrn Snobe, Herrn Kopf und all die anderen, die für solche Projekte verantwortlich zeichnen, die Zahlende Stunde.

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