Neulich beim Amtsarzt
Ich befinde mich in einer äußerst kritischen Situation. Meine Gesundheit ist schon seit einigen Jahren massiv angeschlagen. Ich bin nicht mehr einsatzfähig, und die Invalidenrente, wurde mir versagt. Da es um meine Gesundheit nicht gut bestellt ist, wurde ich vom AMS zum Amtsarzt verwiesen. Dieser sollte überprüfen, ob ich dazu in der Lage wäre, an Kursen teilzunehmen. Vor einigen Monaten hatte ich nun einen Termin bei dem besagten Arzt, und was ich dort erlebte, will ich hier schildern.
Bei meinem Termin wurde ich nach relativ kurzer Wartezeit zum Arzt vorgelassen. Ich übergab ihm meine Befunde, und wurde über meinen Zustand befragt. Ich schilderte ihm was mir fehlt, das ich nicht sehr lange sitzen kann, das ich sowohl Probleme mit dem Rücken als auch mit der Lunge bekomme, wenn ich lange sitzen muß. Zuhause sitze ich auf einem speziell für mich angepassten Stuhl, in meinem Rücken befinden sich zwei Polster. Sitze ich auf einem normalen Holzstuhl, oder einer anderen Sitzgelegenheit, geht es mir innerhalb relativ kurzer Zeit schlecht. Das wirkt sich dann auf Tage hinaus auf meine Gesundheit aus. Dann fühle ich mich so mies, das ich oft das Bett nicht verlassen kann, weil ich Probleme mit der Atmung bekomme, mich nicht gescheit bücken kann, und von den übrigen Problemen die mit alledem einhergehen, möchte ich erst garnicht anfangen. Dies teilte ich also dem Arzt mit. Seine Reaktion darauf war, das ich ihm daß nicht erzählen könnte. Es wäre nicht im mindesten glaubwürdig, das es mir tagelang schlecht gine, und ich solche gesundheitlichen Probleme bekomme.
Der Arzt sah sich Zwischenzeitlich auch meine Befunde an, stellte mir Fragen zu Operationen die ich hatte, zu Krankheiten in meiner Kindheit und sonstigen Problemen. Im Zuge dieser Befragung gab ich an, in meiner Kindheit an Krebs erkrankt zu sein, ohne zu wissen, welcher Art es war. Damals war ich gerade einmal 8 oder 9 Jahre alt, als die Diagnose gestellt, und ich behandelt und operiert wurde. Der Amtsarzt meinte daraufhin zu mir, ob es mich denn nicht interessiere, oder ob es mir egal wäre, um welche Art Krebs es sich gehandelt habe. Eine antwort blieb ich ihm darauf schuldig, da mir schlicht die Worte fehlten. Nach der Erhebung, und dieser äußerst gemeinen Frage, wandte er sich wieder an mich, und fragte was ich denn wolle? Ob ich nicht doch in einen Kurs gehen möchte der mir zugeteilt wurde. Daraufhin begann ich erneut, ihm von meiner Problemlage zu berichten, und erwähnte abermals, wie es mir am Informationstag erging. Ich mußte dort über 1h sitzen, und bekam dabei massive Probleme mit dem Rücken und der Lunge, bekam schwer Luft und hatte Schmerzen. In einem Kurs, der 8h dauert, kann ich nicht teilnehmen, das wäre für mich nicht schaffbar. Ich kann es einfach nicht…
Der Arzt meinte dann zu mir, es das es garnicht darum ginge, ob ich an Kursen teilnehmen kann, sondern ob ich den Willen dazu habe. Es geht um die Motivation, und nicht darum, ob ich körperlich dazu in der Lage sei, etwas zu machen. Der Kurs, der mir zugeteilt wurde, bewege sich auf sehr niedrigem Niveau. Ich sollte also dazu in der Lage sein, ihn ohne weitere Probleme zu schaffen. Ich konnte es nicht fassen, und sagte zu ihm, das ich zwar den Willen dazu habe, da mir langsam die Zeit davon rennt, aber ich es schlicht nicht kann. Ich fragte ihn, was ich denn tun sollte, seiner Meinung nach. Innerlich schüttelte ich den Kopf, weil mir diese Ignoranz, diese Unterstellungen, und der Unglaube des Arztes nicht eingehen wollte. Ich wandte meinen Kopf von ihm ab, bekräftigte das ich nicht einfach nein sage, weil ich nicht will, sondern weil ich nicht kann!
Kurz nach dieser Episode, befragte er mich nach Tabletten, die ich nehme. Er begann zu schreiben, sah sich weitere Befunde an, und wandte sich ein letztes mal mit folgenden Worten an mich. Ich weis nicht was ich mit ihnen machen soll. Ich habe keine Ahnung was man mit ihnen machen kann. Wir sind jetzt hier jedenfalls fertig, sie können gehen. Zum Abschied gab er mir noch einen Rat mit den Weg. Ich würde ihnen empfehlen, sich für einige Wochen in ein Krankenhaus zu legen, und sich ebenfalls einer intensiven Psychotherapie zu unterziehen. Dann werden ihre Probleme ganz von allein verschwinden. Ich stand auf, sagte auf Wiedersehen, und verließ die Praxis.
Wie es mir nachdem ging, wirst du dir, lieber Leser, vermutlich denken können. Ich war wieder einmal fertig mit der Welt. Was dachte sich dieser Arzt? Das ich mir meine erwiesenermaßen medizinisch bedingten Probleme, sowie meine Behinderung, nur einbilde? Das ich nicht ganz normal wäre, und mir alles das, was mich belastet, nur einbilde? Ich weiß nicht, wie es jetzt weiter geht. Der Bericht des Arztes geht an das AMS, und ich kann wieder einmal nichts anderes tun, als abwarten.