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BFI – Psychospielchen in Deppenkursen
Vor etwas mehr als 3 Jahren, mußte ich im BFI einen Kurs besuchen, der sich damals Jobsuche intensiv nannte. Die Namen der Kurse ändern sich oft, die Menschen, die dort als Trainer arbeiten, bleiben meist die selben. Auch die Module die angeboten werden, um sich die Zeit sinnvoll zu vertreiben, bleiben über Jahre die selben. In diesem Kurs fand sich jedoch endlich einmal ein neues Modul, in dem es um Kommunikation ging, mit einem neuen Trainer.
Ich sehe es noch vor mir, es war im Juni, schon ungewöhnlich warm, die Jalousinen waren heruntergelassen, und ich saß mit dem Rücken zum Fenster. Das Modul war gut besucht, und einige waren in Gespräche vertieft, bevor es dann endlich losging. Die Tür öffnete sich, der Trainer trat ein, und hielt Maßbänder in den Händen. Diese teilte er an uns aus, und meinte, wir sollten sie vorerst noch nicht nehmen. Er werde uns erklären, was es damit auf sich habe, wenn die Zeit dazu gekommen sei.
Er begann damit, uns von Faktoren zu erzählen, die unser Leben positiv oder negativ beeinflussen. Rauchen, sei schädlich, meinte er, und fuhr fort damit, uns zu erläutern, wieviele Stunden, Tage, und Wochen unser Lebens eine einzige Zigarette kosten würde. Verlören wir einen geliebten Menschen, belaste uns das stark, und koste uns einige Tage unseres Lebens. Weitere Dinge wurden genannt, die sich auf unsere Lebenserwartungen nicht nur negativ, sondern auch positiv Auswirken können.
Der Trainer ging dazu über, uns von einer LCU-Tabelle zu berichten, auf der wir nachlesen könnten, welche Faktoren besonders negative, aber auch positive Effekte, auf unser Leben hätten. LCU, so wurde uns erklärt, stünde für Life Change Units. Mit dieser knappen Erläuterung ließ er es dann auch bewenden, um zu einer kurzen Pause aufzurufen, die wir eigentlich garnicht benötigten. Nach dieser, etwa 10 minütigen, Pause ging es zurück in den ersten Stock, in den kleinen Lehrsaal.
Dort teilte uns der Trainer kleine Motivationskärtchen aus. Er meinte, wir haben genug Probleme, da wir ja arbeitslos wären. Da kann es helfen, sich einfach die Karte anzusehen, und sich über die kleinen Smilies und motivierenden Sprüche zu freuen. „Beginne den Tag mit einem Lächeln” und „Du wirst heute Erfolg haben, in allem, was du dir vornimmst” standen darauf. Wir bekamen sogar Tipps, wo wir das Kärtchen am besten unterbringen könnten, damit wir, selbst wenn wir es nicht bewußt wahrnehmen, immer einen Blick darauf werfen. Wir sollten sie in der Brieftasche, in einem Fach unterbringen, das wir sofort sehen, sobald wir sie öffnen.
Dann, endlich, kam er auf das Metermaß zu sprechen, welches er uns gegeben hatte. Wie wir bereits von ihm erfuhren, gibt es Faktoren, die sich auf unsere Lebenenserwartung auswirken. Es gäbe laut der LCU-Tabelle eine Punkteskala, 2 Punkte, 3 Punkte und 5 Punkte. Je nach Schwere der Ereignisse, die in unserem Leben passieren, werden Punkte abgezogen. Wir sollten nun das Metermaß in die Hand nehmen, es bestand aus 100 cm, und er laß einige Dinge vor. Tod eines nahen Angehörigen, 50 Punkte, Rauchen 40 Punkte, Eine schwere Krankheit 30 Punkte, und noch einiges mehr. Als er fertig war, gab er uns die Anweisung, die Zahl zu addieren, und unser Alter, sowie die Summe die noch auf dem Metermaß übrig geblieben ist, abzuziehen. Aus dem Ergebnis könnten wir nun erkennen, ob wir ein hohes, moderates oder kleines Risiko hätten, in unserem Leben schwer zu erkranken. Auch die Anzahl der Jahre, die wir noch zu Leben hätten, ergibt sich aus der Summe.
Bevor wir die Ergebnisse nannten, ließ der Trainer noch einen Blick durch unsere Gruppe schweifen, und meinte zu uns: „Einige von ihnen sind ja noch relativ Jung, daher erwarte ich nicht, das sie sehr viel abgerissen haben. Dem entsprechend steht ihnen sicher noch ein langes, erfülltes, Leben bevor.” Wir lasen dann, auf geheiß des Trainers vor, wie lange wir noch zu Leben hätten. Als die Reihe an mir war, kam ich auf das magere Ergebnis von 27 Jahren. Das konnte, oder wollte, er nicht glauben, und fragte mich, ob ich mich nicht verrechnet hätte. Ich mußte dies verneinen, und er, kümmerte sich nicht weiter darum. Die letzten vier Teilnehmer teilten ihre Ergebnisse mit, und wir wurden für den Tag entlassen, da es schon 2 Uhr, und damit offizielles Kursende war.
Bisher kannte ich solche Psychotests nur aus Billigheften aus dem Supermarkt. In diesem Kurs wurde ich das erstemal intensiv damit konfrontiert, und wußte genau, warum ich von solchen Dingen nichts halte. Hier kam, neben diesem pseudo-Test mit dem Metermaß noch etwas anderes hinzu, echte Psychologie. Denn genau daraus entstammt der Begriff LCU, oder ausgeschrieben, Life Change Unit. In Kursen wie diesen, werden die Teilnehmer entweder direkt, oder viel öfter noch, verdeckt, mit Psychologie konfrontiert. Mit Psychologischen Mitteln wird versucht, die Teilnehmer zu beeinflussen, ohne das diese es merken.
Warscheinlich wirst du, lieber Leser, wenn du schon in einem entsprechenden Kurs warst, dazu aufgerufen worden sein, etwas zu zeichnen. Als einfachstes Beispiel, das am häufigsten vorkommt, solltest du vermutlich die Hochs und Tiefs aus deinem Lebenslauf auf einem Flipchart, oder an einer Tafel, aufzeichnen. Dazu darf aber nicht die Hand genommen werden, mit der ein Mensch sonst schreibt, sondern die Entgegengesetzte. Da wirkt dann das Unterbewußtsein, so die Erklärung, und das Bild könnte nicht verfälscht werden.
Warscheinlich kennst du, lieber Leser, auch das Beispiel, wo du einen Baum zeichnen mußt. Jenachdem, wie du ihn zeichnest, zum Beispiel frei schwebend, oder tief verwurzelt, gibt es Anhaltspunkte darauf, wie du tickst. Auch das Zeichnen von Tieren, enstammt der Psychologie, sowie etliche weitere Methoden, mit denen Teilnehmer von den Trainern analysiert werden. Kärtchen zu ziehen, auf denen ein Tier steht, mit denen man sich identifizieren muß, deren Stärken in einem kurzen Satz der Gruppe präsentiert werden, gehört ebenfalls zu diesen Psycho-Spielchen.
Wer nicht darauf vorbereitet ist, wer um die Herkunft nicht weiß, macht unbedarft mit, und gibt dabei sehr viel von sich preis. Es obliegt dann den Trainern, wie sie mit den ganzen Informationen, Notizen die sie gemacht haben, und Analysen die erstellt wurden, weiter verfahren. Es liegt auch an den Trainern, welche Methoden sie einsetzen, im Kontakt mit den Kursteilnehmern. Psychologie ist ein Werkzeug, mit denen Menschen manipuliert werden können, NLP, oder ausgeschrieben Neuro Linguistic Programming, ist so eine Methode.
In den so genannten Deppenkursen werden diese, aus der Psychologie stammenden, Methoden natürlich auch entsprechend an die Teilnehmer verkauft. Es wird zum Beispiel behauptet, es sei wichtig das im Kurs zu machen, da ein Bewerber bei seinen Bewerbungsgesprächen auch damit konfrontiert werden könnte. Ein Bewerber könnte zum Beispiel zu einem Assessment-Center geschickt werden, und müßte da verschiedene Dinge machen, die im Kurs gezeigt würden. Je besser die Teilnehmer also darauf vorbereitet seien, desto höher stünden auch die Chancen, dann auch eine Anstellung zu bekommen.
Immer wieder ist in den Kursen auch die Rede davon, das die Teinehmer nicht alles negativ sehen sollten. In manchen Kursen ist es sogar verboten, etwas negatives zu sagen, alles muß positiv gesehen werden. Die Trainer vermitteln den Teilnehmern, das sie, wenn sie sich bemühen, alles erreichen können. Um diese Aussagen zu belegen, geben sich die Trainer selbst als bestes Beispiel aus, und erzählen von ihren bisherigen Erfolgen. Zum Beispiel hat ein Trainer einen Friseursalon, oder läuft Marathon für die gute Sache, hilft in vielen Vereinen, hat schon in hohen Positionen gearbeitet, obwohl die Voraussetzungen alles andere als gut waren. Man müße nur nach dem Glück greifen, man müße sich Mühe geben, damit alles klappt, so lautet die Devise. Die Ziele der Teilnehmer müssen nur intensiv genug verfolgt werden, dann bekommen sie auch wieder eine Arbeit, die ihnen Spaß macht.
Bei vielen arbeitslosen Menschen ist jedoch abzusehen, das sie sicher nicht zu einer Teilnahme eines Assessment-Center eingeladen werden, wo sie einen, oder einige Tage lang, getestet werden, noch einen super Job finden. Und auch die wenigsten Arbeitgeber, oder Personalverantwortlichen, werden auf die im Kurs genannten Mittel zurückgreifen, um die Bewerber zu analysieren. Es ist aus meiner Sicht also höchst fragwürdig, mit welchen, zum Teil äußerst fragwürden Methoden, da in Kursen gearbeitet wird. Arbeitslose Menschen sind, wenn sie in Kursen landen, ein gutes Studienobjekt. Deshalb kommen auch solche psychologischen Mittel zum Einsatz, von deren Existenz die Kursteilnehmer garnichts wissen.
Eigentlich, lieber Leser, müßte vor solchen Kursen gewarnt werden, in denen Trainer sich als Psychologen betätigen. Denn, solche lustigen Spielchen, wie sie in Kursen stattfinden, haben eine tiefere Bedeutung. Sie können unter Umständen auch Auswirkungen haben, die sich erst nach dem Kurs, spätestens beim AMS zeigen. Es finden ja laufend Rückmeldungen von den Trainern statt, und wenn ein Trainer meint, ein Teilnehmer habe psychologische Probleme, oder zeige Auffälligkeiten, hat das Konsequenzen. Ich kann dir also nur dazu raten, paß genau auf, was in den Kursen stattfindet, wie gesprochen wird, welche Worte verwendet werden. Denn nur dann, wenn du darauf vorbereitet bist, kannst du dich gegen solche Psychologischen und Psychotherapeutischen Tricks schützen!
Weiterführende Links:
Erfahrungswerte
Mit dem AMS, vor allem wenn man lange Zeit arbeitslos ist, macht man so seine Erfahrungen. Eine davon ist, traue deinem Berater nicht soweit, wie du ihn werfen kannst.
Wenn der Berater dir Angebote macht, zum Beispiel einen tollen Kurs zu besuchen, eine Maßnahme die dir nur Vorteile bringt solltest du, lieber Leser, besonders hellhörig werden. Denn die Kurse die der Berater dir so grosszügig offeriert, entpsrechen in der Realität allem anderen nur nicht dem, was dir dein Berater mit blumigen Worten schön geredet hat. Das merkst du aber erst dann, wenn du im empfholenen Kurs sitzt. Dann wird es dir wie Schuppen von den Augen fallen, und du erkennst, das dein Berater dich erfolgreich für dumm verkauft hat.
,,Dreht an der Uhr und stellt den Kalender etwa 3 Jahre zurück.“
Es war an einem Dienstag, es war Jänner, draußen war es kalt. Es half aber alles nichts, ich hatte einen Termin bei meinem AMS wahrzunehmen. So kam ich nun, wie immer viel zu früh dorthin, saß im tristen Gang des AMS Gebäudes und las eines der Jobmagazine die vor dem Zimmer des Beraters auf einem Tisch auslagen. Eine halbe Ewigkeit später war es endlich soweit, und ich wurde vom Berater willkommen geheissen. Ich setzte mich, wir redeten darüber ob sich seit dem letzten Termin, der lag 4 Monate zurück zu diesem Zeitpunkt, etwas neues bei mir ergeben habe. Ich verneinte. Plötzlich wurde mein Berater sehr freundlich zu mir. Er stand kurz auf, sortierte ein paar Akten auf dem Schreibtisch, holte sich etwas aus einem Regal heraus, setzte sich wieder, und folgendes Gespräch begann.
Berater: Es wird sie sicher freuen zu hören, das es etwas neues gibt. Etwas speziell für sie!
Ich blicke den Berater etwas verdutzt an.
Ich: Was haben sie denn anzubieten?
Berater: Sie müssen sich vorstellen, es gibt da jetzt diesen neuen Kurs. In dem Kurs werden alle Kursmaßnahmen die es so gibt vorgestellt. Sie können sich das alles in Ruhe anhören, und dann können sie entscheiden, was sie weiter machen möchten nachdem dieser spezielle Kurs vorbei ist. Es ist nämlich so, das wir von oben dieses Jahr sehr viel Geld bekommen haben, um solche Kursmaßnahmen zu finanzieren. Für sie ist das eine gute Chance, eine qualifizierende Maßnahme zu besuchen, wenn sie etwas passendes für sich gefunden haben.
Ich war überrascht, diese freundlichkeit auf einmal, dazu noch ein Angebot das wirklich verlockend klang und mir wieder etwas Hoffnung gab.
Ich: Das klingt ja toll.
Eher leise, da ich es wirklich nicht glauben wollte, was mir mein Berater soeben Angeboten hatte.
Berater: Das klingt nicht gut?
Er verliert die Fassung, und das lächeln verschwindet kurzzeitig aus seinem Gesicht. Er fing sich allerdings recht schnell, als ich folgendes zu ihm sagte.
Ich: Das Angebot finde ich sogar sehr toll! Wie lange sollte dieser Kurs denn dauern? Wer ist denn der Anbieter dieses Kurses? Kann ich mir wirklich aussuchen, welche Maßnahme ich danach angehe, sobald dieser Kurs beendet ist?
Berater: Der Kurs fängt im Februar an. Er dauert knapp 2 Monate, und wird von der Firma Mentor angeboten. Wenn sie wollen, kann ich sie gleich zubuchen.
Ich: Ja, bitte, machen sie das!
*Dreht an der Uhr und blättert im Kalender einige Wochen vorwärts*
Der Kurs beginnt, es ist 8 Uhr morgens, wir sind 16 Teilnehmer, und sitzen alle in einem winzigen Raum um der Dinge zu harren, die da auf uns zukommen werden. An der Wand neben der Tür erwarteten uns 4 PC’s, an der gegenüber waren ebenfalls 4 Geräte aufgestellt. Es gab also insgesamt 8 PC’s für 16 Leute, und am oberen Ende des Raumes, in einer Ecke wo noch Platz frei war, stand ein Flip-Chart auf dem in bunten Lettern WILLKOMMEN BEI MENTOR zu lesen war.
Kurze Zeit später betrat eine freundliche Mitarbeiterin mit Mentor Button auf dem Pullover den Raum. Es stellte sich heraus, das es sich bei dieser Person um unsere künftige Trainerin handelt. Nach der formalen Begrüßung und einigen aufmunternden Worten, begann sie damit zu erzählen was wir in den nächsten Wochen alles machen würden. So sollten wir lernen einen Lebenslauf zu schreiben, wie man im Internet nach Stellen sucht, an unserer Persönlichkeit arbeiten, unsere Stärken und Schwächen herausfinden, sehen welche Berufe in unserer Region besonders gefragt sind, und vieles mehr.
Da dämmerte es mir, das es sich bei den Inhalten um den gleichen Mist handelte, den ich schon zu oft bei anderen Kursanbietern mitmachen musste, und ich wurde sauer. Doch das dieser Kurs noch wesentlich schlimmer sein sollte also die, die ich schon kannte, hatte selbst ich mir nicht erwartet.
Das erste was wir bekamen, waren Mappen die unter anderem einen Block beinhalteten, und einen Zettel mit Vorschriften wie wir uns im Kurs zu verhalten hätten. Ebenfalls bekamen wir einige weitere Zettel ausgeteilt, auf denen sich Sudoku aus der Tageszeitung DIE ZEIT befanden. Ich fragte mich natürlich, was das denn sollte, Sudoku?! Doch die Trainern brachte schnell ein wenig Licht in die Sache. Sie erklärte uns, wir bekämen diese Sudoku deshalb, damit wir beschäftig wären. Es würde in den 4 Stunden, solange dauerte nämlich ein Kurstag dort, nicht immer etwas für uns zu tun geben. Damit wir uns also nicht langweilen sollten wir Rätsel lösen. In der Annahme das wir keine Ahnung hätten wie man ein Sudoku löst, begann die Trainerin uns das Prinzip dahinter zu erklären. Dafür hatte sie auf dem Flip-Chart bereits eines aufgezeichnet, welches wir alle gemeinsam im Verlauf dieses ersten Tages lösten.
In den drei Tagen darauf, wie auch im Verlauf der restlichen Kurszeit, mußten wir morgens Gehirn-Jogging machen. Die Aufgaben bestanden unter anderem darin Kreuzworträtsel zu lösen, kleine logische Aufgaben wie zum Beispiel Worte miteinander zu verbinden, versteckte Worte anhand einer Liste suchen, und ähnliches mehr. War das überstanden, begannen wir damit das zu tun, was die Trainerin bereits angekündigt hatte, ein wenig recherchieren, Lebensläufe erstellen, herausfinden worin wir besonders gut sind und Gespräche zu führen über alles mögliche.
So verging die erste Woche, es wurde Freitag, wir fanden uns alle wie gewohnt in unserem viel zu kleinen Raum ein, und warteten auf die Trainerin. Sie kam, und teilte uns mit, das wir uns Freitags immer in einem anderen, sehr viel größeren Raum zusammenfinden würden, um mit der zweiten Kursgruppe etwas zu Unternehmen. So nahmen wir auf geheiß unsere Sessel, und trafen das erstemal auf eine zweite Gruppe.
Dort saßen wir nun in einem Kreis, der aus 35 Personen bestand, zusammen. Zwei weitere Trainerinnen betraten den Raum, und erläuterten uns, was wir hier tun würden. Der Freitag sollte der Entspannung dienen, also würden wir ein paar Spiele spielen. Das erste Spiel bestand daraus, uns gegenseitig einen Ball zuzuwerfen. Wer den Ball fängt, muß ein Wort sagen, den Ball weiter werfen, und die nächste Person sollte ein Wort sagen, das ihm dazu einfällt. In einem Wort: Wortassoziationen. Das zweite Spiel war ein Mörderrätsel, das wir nur gemeinsam lösen konnten. Wir bekamen alle einen Zettel, die Trainerin las vor was geschehen war, und anhand unserer Liste sollten wir herausfinden, was passiert war. Die Zusammenarbeit mit der Gruppe gestaltete sich allerdings recht schwierig, da die anderen anscheinend genausowenig Lust hatten, wie ich.
Die erste Woche war also vorbei. Endlich Wochenende. Inzwischen verging mir wirklich die Lust, ich war nur noch angefressen und dachte bei mir, das kann doch wohl nicht wahr sein! Ich bin erwachsen, und werde dazu angehalten, Spiele zu spielen! Was bin ich denn? Ein Kind?! Solche und ähnliche Gedanken verfolgten mich, und ließen mir keine Ruhe. Ich fand kaum Schlaf, war mit den Nerven am Ende, und hatte nur noch einen Wunsch, raus aus diesem Kurs, egal wie.
Knapp eine Woche später, solange dauerte es bis ich einen Termin bekam, tauchte ich bei meinem Berater auf. Bewaffnet mit einer Mappe, in der ich alles das gesammelt hatte, was wir bisher bei Mentor machen mussten. Auch einen Zeugen hatte ich zu diesem Gespräch mitgebracht.
Berater: Guten Tag, bitte nehmen sie doch Platz. Was kann ich für sie tun?
Diesmal saß ich dort, mit einem freundlichen lächeln, hinter dessen Fassade mir alles andere als zum lachen zumute war.
Ich: Zwei Wochen bin ich nun schon in dem Kurs von Mentor. Wissen sie was ich dort alles machen muss?
Berater: Klar weis ich, was sie da machen müssen. Und? Was wollen sie das ich nun tue?
Ich war paff. Der Berater wußte also von Anfang an, was hinter dem Kurs wirklich steckt. Nun war ich richtig wütend. Am liebsten hätte ich meinem Berater zu diesem Zeitpunkt einige freundlichkeiten an den Kopf geworfen.
Ich: Ich will raus aus dem Kurs! Ich verlange von ihnen, das sie mich aus dem Kurs herausnehmen.
Berater: Das kann ich schon machen, doch dann müssen wir eine Niederschrift aufnehmen. Dann verlieren sie für, er schaut in den PC, 6 Wochen ihren Bezug. Als Begründung gebe ich an, das sie den Kurserfolg vereitelt haben.
Ich: Gut, dann machen wir doch eine Niederschrift, na los!
Berater: Wenn sie das wirklich wollen? Aber seien sie sich im klaren darüber, das sobald diese 6 wöchige Sperre vorüber ist, ich sie jederzeit in einem neuen Kurs unterbringen kann. Sagen sie dazu nein, machen wir dann erneut eine Niederschrift, und sie bekommen für weitere 8 Wochen ihr Geld gesperrt. Das Spiel können wir bis in alle Ewigkeit spielen, ich habe damit kein Problem.
Ich wurde also nicht nur dazu genötigt, weiterhin in diesem Kurs zu sitzen, ich wurde sogar vom Berater erspresst. Bevor ich was falsches sagte, habe ich auf Wiedersehn gesagt, den Berater mit einem bösen Blick bedacht, und bin aus dem Büro raus so schnell ich konnte.
Ich war verzweifelt, ich konnte kaum mehr schlafen, wenn ich 4 Stunden schaffte war das schon viel. Es zerfraß mich innerlich. Es machte mich krank, das man mich belogen hatte, und ich verlor jede Hoffnung. Zu diesem Zeitpunkt überkam mich, das erstemal in meinem Leben auch der innige Wunsch, alles möge einfach vorbei sein. Ich war kraftlos, hatte keinen willen mehr zu Leben, und war auch fast soweit es mir zu nehmen. Soetwas kannte ich bis dahin nicht, so ein Gefühl der tiefen Verzweiflung und Hoffnungslosigkeit. Das Gefühl, einem Machtapparat gegenüber zu stehen, repräsentiert durch einen AMS-Berater, gegen den ich nicht ankomme. Das ich es doch nicht getan habe, habe ich meinen lieben zu verdanken. Die gaben mir die Kraft, weiterzumachen, egal wie schwer es sein würde. So lebte, oder vegetierte, ich also weiter. Ohne Träume, ohne Hoffnung, nur mehr leben, ohne Ziele, ohne Wünsche.
Zu dieser Zeit begann ich ebenfalls damit, zu recherchieren. Ich wollte Wissen, ob es nicht noch andere Menschen gäbe, denen es ähnlich erging wie mir. Arbeitslose, die ständig Kursen und Maßnahmen zugewiesen werden, die sie im Laufe der Zeit psychisch kaputt machen. Menschen, die hilflos dem Terror ausgesetzt sind, der von AMS-Beratern ausgeübt wird, gibt es tatsächlich sehr viele. Die irgendwann aufgeben, und der Willkür nicht mehr standhalten, der auf sie ausgeübt wird. Um herauszufinden, wieviel mehr Menschen es gab die ähnliches erlebten, musste ich garnicht lange suchen. Diese Tatsache, zu sehen das das ich nicht allein bin, gab mir ebenfalls die Kraft der es bedurfte, darum zu kämpfen das sich meine Situation nicht noch weiter verschlechtert.
Aus dieser Erfahrung heraus kann ich dir, lieber Leser, nur dazu raten, im Umgang mit dem AMS höchste Vorsicht walten zu lassen. Nimm nichts für bahre Münze, was man dir erzählt. Informiere dich so gut es geht darüber, was man dir da anbietet, und recherchiere selbst ein wenig. Tust du es nämlich nicht, könntest du Gefahr laufen das selbe zu erleben wie ich. Lass dir, lieber Leser, meine Geschichte also eine Warnung sein.
Das BBRZ
Ja, ich habe wieder einmal Glück. Wurde ich doch erst kürzlich von meinem AMS Betreuer darüber informiert, das ich einen Deppenkurs besuchen muss. Es gäbe keine Arbeit für mich, in den Bereichen die ich noch ausüben könnte, weshalb man mir nettwerweise beim BBRZ eine Reha aufgedrückt hat. Ziel dieser Reha ist es herauszufinden, welche beruflichen Tätigkeiten ich noch ausüben kann.
Um mehr über diese Massnahme zu erfahren, darf ich heute einen Informationsveranstaltung besuchen, in dem mir das ganze Projekt zusammen mit anderen betroffenen näher gebracht wird. Ich kenne den Vortrag des BBRZ zwar schon beinahe auswendig, dennoch kann eine Auffrischung ja nicht schaden. Eventuell sind in den letzten Jahren, in denen ich diese Infoveranstaltung schon dreimal besuchen durfte, neue Informationen hinzugekommen die mir bisher unbekannt waren.
Im Unterschied zu den Besuchen solcher Infoveranstaltungen damals und heute ist der, das ich mich einfach berieseln liess, also dem Vortragenden zuhörte, und im Geiste die Sache bereits abgehakt habe. Diesesmal werde ich wohl nicht so einfach dem entkommen, was da auf mich wartet, also habe ich mir einen Katalog an Fragen zusammengestellt, die ich dem Vortragenden stellen werde.
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- Welchen Zweck verfolgt die Massnahme die ich absolvieren muss?
- Haben sie als Anbieter Erfahrung mit Menschen die eine ganz bestimmte Krankheit haben?
- Welche Inhalte werden mir innerhalb dieser 8 bis 12 Wochen konkret vermittelt?
- Wo liegt der Unterschied zwischen ihrem Angebot, abgesehen das es sich vor allem an Behinderte, Alkoholiker, Blinde, psychisch erkrankte, jugendliche mit Defiziten und Drogenabhängige wendet, zu anderen Kursinstituten?
- Kann die medizinische und psychologische Abklärung die im Rahmen dieser 8 bis 12 Wochen stattfindet dazu führen das ich, gegen meinen eigenen Willen, auf Basis der Ergebnisse als arbeitsunfähig eingestuft werde?
Davor habe ich nämlich Angst, vor einem Ergebniss das mir bescheinigt, ich wäre Arbeitsunfähig. Dann würde sich meine ohnehin schon präkere Situation mit der ich mich nun schon etliche Jahre herumschlagen muss, noch weiter verschlechtern. Dann verliere ich nämlich den Anspruch auf Notstandshilfe, ich bekomme keine Möglichkeit mehr eine Qualifizierung zu absolvieren, und würde in die Sozialhilfe abgeschoben.
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- Wie sieht es aus mit der psychologischen Abklärung?
- Was geschieht mit den Daten die über mich erhoben werden?
- Bekomme ich alle Gutachten, medizinische sowie psychologische, persönlich ausgehändigt und kann bestimmen, wer im weiteren diese Informationen erhält?
Es sind schliesslich sensible Daten über mich, die da erhoben werden sollen. Und über den Verbleib derselben, wer und zu welchem Zweck sie bekommt, möchte ich immernoch selbst bestimmen. Vor allem möchte ich aus bereits genannten Gründen nicht das die Ergebnisse, sollten sie negativ ausfallen, dieser Datenkrake, dem AMS, in die Hände fallen. Für die wäre sowas natürlich ein gefundenes fressen, und die Genugtuung, nach all den Jahren der Quälerei, werde ich ihnen nicht bieten.
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- Welche Möglichkeiten bieten sich mir, nachdem ich die Reha Massnahme abgeschlossen habe?
- Werde ich dazu genötigt gratis Praktika zu machen, oder bekomme ich dafür einen angemessenen Lohn ausbezahlt?
- Werden bei positivem Abschluss der Kursdauer die Kosten für externe Ausbildungen oder Höherqualifizierungen ebenfalls übernommen? Oder werden nur ihre eigenen, im Haus angebotenen Massnahmen finanziert?
Ich will nur hoffen, das der Vortragende auch gewillt ist, alle diese Fragen zu meiner Zufriedenheit zu beantworten. Aber ich bin mir fast sicher, das er sie mir nach seinem Vortrag beantworten wird, denn ich kann furchtbar lästig sein wenn es sein muss. Schliesslich geht es hier um mehr, als nur die blosse Teilnahme an einem Deppenkurs, derer ich schon zuviele besuchen musste.